Winter in Dangast

Dangast – ein Ort der Zwiespälte: Eigentlich urhäßlich, dennoch erwischt man sich immer wieder, dort hinzufahren. Vielleicht eben deshalb, weil dieser Ort so anders aussieht wie die anderen Nordseeorte. Was macht man nun in diesem Ort? Zunächst einmal muss man zum Parkplatz am Strand kommen. Das ist für normale Autofahrer, die auch in Hamburg oder München fahren, eine Geduldsprobe: Ein Rentnergolf nach dem anderen fährt vor einem auf Schleichfahrt. Tip: Einfach mal flott überholen (auch innerorts – ich garantiere, die erlaubten 50 km/h werden auch beim Überholen nicht überschritten werden), dann haben die Leute hinterher ein Gesprächsthema über die rücksichtslosen “jugendlichen” Autofahrer, die sich sicherlich nächsten Samstag volltrunken nach einem Discobesuch totfahren werden.

Hat man den Parkplatz erreicht, hat man die Wahl, ob man sich zunächst rechts am Strand halten möchte (im Winter ist auch keine Strandgebühr fällig) oder ob man gleich nach links Richtung Kurhaus geht – an einem Campingplatz kommt man so oder so vorbei…

Camping in Dangast: Deutsche Urgemütlichkeit in Reinkultur, der Gartenzaun wurde mitgenommen

Camping in Dangast: Deutsche Urgemütlichkeit in Reinkultur, der Gartenzaun wurde mitgenommen

Da Dangast am Jadebusen liegt, kann man auf der anderen Seite bei guter Sicht die Marine- und Hafenstadt Wilhelmshaven sehen. Ob dabei allerdings echte Seefahrerromantik aufkommt, darf mal gerade bezweifelt werden. Winking Die Stadt ist meines Erachtens nach dem letzten Weltkrieg in die Bedeutungslosigkeit zurückgefallen, dürfte aber jetzt durch den geplanten Jadeport neuen Auftrieb bekommen und Hamburg bei der Abfertigung von Großcontainerschiffen ernsthaft Konkurrenz machen.

Blick vom Strandufer in Dangast auf Wilhelmshaven

Blick vom Strandufer in Dangast auf Wilhelmshaven

Wenn man sich vom Parkplatz aus gesehen links hält, kommt man unweigerlich irgendwann zu einer Location, die die Leute magisch anzuziehen scheint – wie sonst sind die Pilgermassen zu erklären, die man sonst nur in Lourdes oder Mekka beobachten kann? Es handelt sich bei dieser Pilgerstätte um das alte Dangaster Kurhaus, wobei das Adjektiv “alt” eigentlich überflüssig ist – etwas Neues gibt es in diesem Strandabschnitt überhaupt nicht. Daher ist auch Vorsicht geboten, wenn man zum ersten Mal nach Dangast fährt: Nicht jedes alte Gebäude ist das Kurhaus – man kann auch in der Dangaster Strand-Klause stranden.

Das Kurhaus selbst ist wohl der Grund, warum man regelmäßig nach Dangast fährt, auch wenn es einem zunächst wie ein Rätsel erscheint: Das Ding sieht von außen und von innen total schraddelig aus, die Einrichtung könnte von einem DDR-Sperrmüll kommen und auch die Art und Weise der Kuchenbestückung erinnert mehr an eine Warteschlange in der DDR als an einen standardisierten Kurhaus-Betrieb. Man steht nämlich für Kuchen und Getränke an und wird nebenbei immer wieder zu Seite geschubst, wenn die Leute durch die Schlange von einem Raum in den nächsten wollen – vornehmlich zur Toilette, um den Kaffee wieder zu verklappen. Der Kuchen und die Getränke sind aber nun genau das alles wert. Alles selbstgebacken und richtig lecker. Bezahlt wird natürlich direkt am Verkaufstresen. Anschließend sucht man sich einen freien Platz – gerne auch bei fremden Leuten am Tisch und mümmelt vor sich hin. Die Räume tragen zu der einzigartigen Atmosphäre sehr gut bei – und spätestens hier möchte man gerne ein zweites Mal wiederkommen.

Das alte Kurhaus in Dangast an einem Sonntag zwischen den Jahren

Das alte Kurhaus in Dangast an einem Sonntag zwischen den Jahren

Wenn man dann satt ist, kann man noch an den unter dem Kurhaus gelegenen Strandabschnitt spazieren gehen. Dieser ist nahezu vollgestellt mit Kunstwerken hiesiger Künstler. Am bekanntesten dürfte dabei der riesige Penis aus Stein sein. Ja, ich habe gerade wirklich “Penis” gesagt – jedenfalls war das die Antwort auf die Frage eines Freundes, der die Location und das Kunstwerk noch nicht kannte. An diesem Teil spielen sich immer wieder auch unfreiwillig komische Szenen ab, so wie diese hier, deren Zeuge ich gestern werden konnte:
Mann geht zu dem mannshohen Penis, fasst an und ruft seiner Frau zu: “Du Helga, komm’ mal her, fass mal an!” Jaja, dachte ich mir dabei, so etwas großes hatte die Dame bestimmt noch nicht in der Hand – jedenfalls nicht bei ihrem Typen…

Wer in Dangast wirklich lebt, hält Oldenburg wahrscheinlich für eine pulsierende Metropole und dürfte genügend Energiereserven im Laufe der Zeit angespart haben, um auf irre Ideen zu kommen, so wie die drei Wassersportler, die am 30.12. bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf den Trichter gekommen sind, ein wenig Kite-Surfen zu betreiben. Naja, den Fotografen freut’s und über Dangast gibt es wieder etwas interessantes zu berichten.

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Alles in allem lohnt sich also ein Besuch in Dangast – und im nächsten Jahr werde ich sicherlich das ein oder andere Mal wiederkommen.

Wanderung Tegelberg Bergstation zur Talstation über Marienbrücke / Pöllatschlucht

Wenn ich den Urlaub Revue passieren lasse, möchte ich doch noch einmal ein wenig detaillierter auf die Wanderung vom Tegelberg (Bergstation) zur Marienbrücke eingehen.

Zunächst ging es mit der Tegelbergbahn den Berg hoch. Die einfache Fahrt kostet 9,- EUR, die Berg- und Talfahrt kostet 15 EUR (jeweils mit der Allgäu-Walser-Card). Die Fahrt selbst dauert ca. 10 Minuten und wer nicht schwindelfrei ist, sollte möglichst den Blick Richtung Berg richten und nicht zu sehr nach unten blicken. An der Bergstation angekommen, eröffnet sich ein tolles Panorama mit Blick auf den Forggensee und die angrenzenden Ortschaften. Zwei Minuten vom Ausstieg aus der Kabine kann man startenden Gleitschirm- und Drachenfliegern zusehen, die sich relativ todesmutig (in meinen Augen) in den Abgrund stürzen. Hier ergeben sich tolle Fotomotive.

 

Nun geht es zunächst zum etwas tiefer gelegenen Tegelberghaus, wo man zu fairen Preisen speisen kann. Am Tegelberghaus vorbei kommt man zur ersten Abzweigung, an der sich auch entsprechende Wanderwegweiser befinden. Ich halte mich rechts und gehe unter der Seilbahn durch. Man folgt zunächst drei Routen:

  • Marienbrücke via Gelbe Wand (Gelbe Markierung)
  • Marienbrücke (blaue Markierung)
  • Talstation Tegelbergbahn

Einige Meter weiter erhält man einen tollen Blick auf den Branderschrofen des Tegelbergs. Mit dem Fernglas lässt sich beobachten, wie Wanderer diesen Gipfel erklimmen. Es empfiehlt sich definitiv festes Schuhwerk und eine gewisse Trittsicherheit.

Weiter geht es der Beschilderung und man gelangt zum ersten “Abstieg”:

tegelberg_abstieg

An der sichtbaren Gabelung geht nach rechts der Weg zur Talstation Tegelbergbahn, welchen ich (kalauer!) links liegen liegen ließ. Ich folgte der weiteren Beschilderung der blauen Markierung. Nach einiger Zeit (ca. 10 bis 15 Minuten) geht nach rechts der Weg Richtung Gelbe Wand ab. Dieser Weg ist definitiv nur etwas für sehr geübte Wanderer und sollte auch nicht alleine gemacht werden. Ich hielt mich also weiter geradeaus.

Der Weg ist relativ leicht zu machen und man erhält immer wieder tolle Ausblicke auf das Tal und den Forggensee. Schon bald quert man erneut die Tegelbergbahn und erhält tolle Ausblicke auch auf die Gelbe Wand.

tegelbergbahn

tegelberg_wanderweg

Nach einiger Zeit kommt man auf die Südseite des Berges. Hier ist der Wanderweg schon etwas weniger komfortabel als man es vielleicht als Flachland-Tiroler erwartet. Dennoch kann eigentlich jeder diesen Weg machen. Die Aussicht ist noch einmal etwas anders und manchmal muß man schon sehr auf den Weg achten. An einer Kurve nach rechts darf man sich dann auch gleich an einem Stahlseil festhalten, weil der Weg hier nicht breiter als ca. 50 cm ist und es gleich steil 200 Meter nach unten geht.

blick_nach_sueden_tegelberg

Mit wirklich sehr kleinen “Klettereinlagen” kommt man dann auch gut weiter. Einige Gratköpfe stehen dem interessierten Wanderer und Fotografen zur Verfügung, um tolle Aufnahmen von der Süd- und Nordseite des Ammergebirges (Neuschwanstein) zu machen. Nun hat man noch ca. 1,5 Stunden zu laufen (wenn man es gemütlich angeht und ab und zu auch mal stehenbleibt).

blick_tegelberg

gratkopf_am_tegelberg

Irgendwann erreicht man dann die ersten Ausläufer der Marienbrücke – was man daran erkennt, dass das Schloß Neuschwanstein immer näher rückt und die Flip-Flop-Touristen etwas zahlreicher werden. Dennoch kommt dann doch relativ unvermittelt die Marienbrücke und nach ca. 3 Stunden in absoluter Naturidylle war ich doch von der plötzlichen Überfüllung etwas geschockt.

neuschwanstein

neuschwanstein_marienbruecke

Nach einem wirklich sehr kurzem Aufenthalt auf der Marienbrücke – verbunden mit viel Geschubse und Sprachen aus allen Herren Ländern folgte ich zunächst dem Mainstream, um dann schnellstmöglich in die Pöllatschlucht abzubiegen. Schlagartig verringerte sich das Touristenvolumen und man hatte wieder ein wenig Naturgefühl. Ich nutzte die Gelegenheit, um meine Füße im kalten, klaren Wasser der Pöllat ein wenig abzukühlen und noch einmal kurz zu verweilen, bevor es an der alten Gipsmühle vorbei wieder zur Talstation Tegelberg ging.

poellatschlucht

Wer mehr erfahren möchte, dem kann ich auch einige Bücher empfehlen:

Bücher zum Thema “Wandern” und “Tegelberg”

Das große Familienwanderbuch (19,95 EUR bei Amazon)